Diabetisches Fußsyndrom: Wenn kleine Verletzungen unbemerkt bleiben | fabel

Diabetisches Fußsyndrom Wenn kleine Verletzungen unbemerkt bleiben

Veränderungen an den Füßen entstehen oft schleichend. Eine kleine Druckstelle, eine Blase, ein Riss in der Haut – scheinbar nichts Dramatisches. Und doch kann genau hier ein größeres Problem beginnen.

Das diabetische Fußsyndrom gehört zu den häufigsten Folgeerkrankungen bei Menschen mit Diabetes. Für pflegende Angehörige ist es besonders relevant, weil Schmerzen häufig fehlen – und Warnzeichen leicht übersehen werden. Frühes Hinsehen macht hier einen entscheidenden Unterschied.

Was ist das diabetische Fußsyndrom?

Das diabetische Fußsyndrom ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Veränderungen am Fuß.

Ursache ist ein über längere Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel, der:

  • Nerven schädigt
  • Blutgefäße schädigt

Die Folge:
Kleine Verletzungen heilen schlechter, Infektionen breiten sich schneller aus – und Schmerzen werden oft nur abgeschwächt oder gar nicht wahrgenommen.

Was harmlos beginnt, kann sich dadurch unbemerkt zu einer ernsthaften Wunde entwickeln.

Woran erkennst du ein diabetische Fußsyndrom?

Gerade weil Schmerzen häufig fehlen, sind sichtbare Veränderungen besonders wichtig.

Achte unter anderem auf:

  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Füßen oder Zehen
  • Druckstellen oder Blasen
  • Kleine Risse, die nicht abheilen
  • Rötungen oder Schwellungen
  • Ungewöhnliche Wärme an einzelnen Stellen
  • Verhornungen oder Verfärbungen
  • Nässende Stellen oder unangenehmer Geruch

Viele Betroffene bemerken diese Veränderungen selbst nicht. Eine regelmäßige Kontrolle der Füße gehört deshalb zur wichtigen Routine im Pflegealltag.

Typische Fehler

Beim diabetischen Fußsyndrom entstehen Probleme oft nicht durch Nachlässigkeit, sondern durch Unterschätzung.

Häufige Stolpersteine sind:

  • Kleine Verletzungen werden als „harmlos“ eingeordnet
  • Füße werden nicht täglich kontrolliert
  • Zu enge oder ungeeignete Schuhe werden weitergetragen
  • Druckstellen bleiben unbeachtet
  • Ärztliche Abklärung erfolgt erst bei deutlicher Verschlechterung

Wundexperte Lars Kaland: Beim diabetischen Fuß entscheidet oft nicht die Größe der Wunde, sondern wie früh sie erkannt wird. Je länger eine Verletzung unbemerkt bleibt, desto schwieriger wird die Behandlung.

Was du als Angehöriger tun kannst

Du kannst viel zur Sicherheit beitragen:

  • Füße täglich kontrollieren – auch zwischen den Zehen
  • Auf Druckstellen oder Hautveränderungen achten
  • Auf gut sitzende, nicht drückende Schuhe achten
  • Hautpflege regelmäßig durchführen
  • Veränderungen dokumentieren

Eine kurze, regelmäßige Dokumentation – zum Beispiel im Pflegetagebuch der fabel App – hilft, Entwicklungen nachvollziehbar zu machen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Wann solltest du einen Arzt aufsuchen?

Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, wenn:

  • Eine Wunde nach wenigen Tagen keine Besserung zeigt
  • Rötung oder Schwellung zunehmen
  • Sekret oder Geruch auftreten
  • Schmerzen neu auftreten oder sich verändern
  • Unsicherheit besteht, wie weiter vorzugehen ist

Gerade beim diabetischen Fuß gilt: lieber früh abklären als abwarten.

Fazit

Das diabetische Fußsyndrom entsteht meist über Jahre – aber schwere Verläufe entstehen oft in kurzer Zeit. Aufmerksamkeit im Alltag ist hier keine Übervorsicht, sondern ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit und Lebensqualität.

Über den Autor:

Lars Kaland ist examinierte Pflegefachkraft mit Schwerpunkt moderne Wundversorgung. Seine beruflichen Wurzeln liegen in der Praxis – mit langjähriger Erfahrung in der Begleitung von Menschen mit chronischen und komplexen Wunden.

Für fabel begleitet er den Themenbereich „Wunde“ als fachlicher Experte und bringt sein Wissen in die Inhalte ein. Sein Anspruch: qualitätsgesicherte Versorgung, Verlässlichkeit und individuelle Begleitung auf Augenhöhe.

Mehr über seine Arbeit erfährst du beim Wundinstitut.

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